Ein kluger Film: Was der Sport vermag!

Es ist der etwas andere Beitrag zum Frieden: Mit seinem am heutigen Donnerstag bundesweit anlaufenden Film „Trautmann” ist Regisseur Marcus H. Rosenmüller viel mehr gelungen, als nur ein Spielfilm-Porträt über einen Torwart, der sein Team mit gebrochenem Genick zum Pokalsieg führte! Der intensiv erzählte Film steht für Versöhnung und Völkerverständigung, für Verzeihen und das Überwinden von Grenzen und Vorurteilen. Und dafür, was der Sport, der Fußball-Sport vermag! Zur Vorpremiere war der Erfolgs-Regisseur im Wasserburger Utopia. Als einer von mehreren Kamera-Leuten war auch ein Neu-Wasserburger dabei …

Fotos: Renate Drax / Clemens Krüger

 

… Clemens Krüger. Einige unserer Fotos stammen von ihm exklusiv für die Wasserburger Stimme von den Dreharbeiten.

In den Hauptrollen des neuen Films von Rosenmüller, seinem ersten mit fast ausschließlich englischen Schauspielern, sind David Kross und Freya Marvor zu sehen. Während David Kross seinen Durchbruch bereits als Jugendlicher auf internationaler Ebene – an der Seite von Kate Winslet im Nachkriegsdrama „Der Vorleser“ – feierte, ist die wunderbare Freya Marvor bei uns noch eher völlig unbekannt. David Kross verkörpert Bert Trautmann mit Wärme und Stärke als bescheidenen Menschen, der jedoch einsteht für das, was er will. Dazu ist Trautmann getrieben von seinen inneren Kriegsdämonen, die ihn zu einer großen Schuld geführt haben, mit der er kaum leben kann.

Das ganze Ensemble agiert großartig. Gedreht wurde an Schauplätzen in Bayern und Nordirland. Den ersten Preis hat Rosenmüller mit seinem Trautmann auch schon gewonnen: Vor wenigen Wochen wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Prädikat besonders wertvoll …

Für die Rolle des Torhüters Bert Trautmann hat Hauptdarsteller David Kross Monate lang trainiert, erzählt Marcus H. Rosenmüller nach der Vorpremiere im Utopia den Zuschauern. Auch Christian Lerch (unser Foto), ebenfalls Regisseur und Schauspieler, war in Wasserburg zu Gast.

Denn bei den Anfängen war er mit dabei: Zehn Jahre ist es her, dass Rosenmüller gemeinsam mit Lerch und Robert Marciniak den damals fast 80-jährigen Bert Trautmann ausführlich interviewt hat.

Er sei sehr kooperativ gewesen, habe viel erzählt – vor allem auch, weil man nicht den Fokus auf diesen Genickbruch legen wollte und die sportliche Heldentat, sondern auf ganz andere, bewegende Erlebnisse in seiner Biografie. Das Material sei so reichhaltig gewesen, dass es einfach gedauert habe, bis ein Drehbuch daraus entwickelt wurde.

Natürlich sei nicht alles im Film haargenau so passiert in der Lebensgeschichte von Bert Trautmann, es sei die Essenz – eben das, was Marcus H. Rosenmüller in der Geschichte gesehen hat.

Das Schöne an dem Film ist, dass er so vielfältig ist. Zum einen kann er natürlich allen Fußballern und Freunden des Fußballs ans Herz gelegt werden – es ist ein Film über Fußball, denn Trautmann hat für diesen Sport gelebt. Es ist aber auch eine Liebesgeschichte und damit verbunden, die Annäherung zweier verfeindeter Länder unmittelbar am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Und doch – es wäre kein typisches Rosenmüller-Meisterwerk – es gibt auch lustige Momente! Diese Gradwanderung gelingt ihm, wie kaum einem anderen. Besonders in den Szenen mit John Henshaw, der den Coach des ersten Vereins genial verkörpert, bei dem Trautmann im Tor stand.

Bernd Trautmann hat viel für die Völkerverständigung getan. Der Film tut es auch. Zwischen den Zeilen, steht so manche Botschaft. Lasst dieses ewige, vorschnelle Beurteilen und Verurteilen sein. Und glaubt an die „Friedensgemeinschaft Europa” …

Und so urteilte die Film-Bewertungs-Jury:

Das Vorhaben, einen Film über Bert Trautmann zu realisieren, birgt gleich mehrere potenzielle Stolperfallen.

Nicht nur ist es ein Historienfilm, der aus einer sehr gut dokumentierten Zeit erzählt, sondern auch ein Film, der zwangsläufig Fußballszenen in einem legendären und riesigen Stadion bieten muss – eine filmische Aufgabe, die bisher noch nicht allzu oft zufriedenstellend gelungen ist.

Allen voran aber steht die ausgewogene, moralische Darstellung einer Figur, an der stellvertretend für die deutschen Täter und in aller Öffentlichkeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in England die Schuldfrage diskutiert wurde.

Nach Meinung der Jury kann der Film in allen drei Punkten voll überzeugen. Insbesondere erliegt der Film nicht eindimensional der heldischen Aura, die Bert Trautmann mit all seinen Legenden umgibt, sondern die Macher finden einen filmisch klugen Weg, die Figur ambivalenter anzulegen.

Der Umgang mit persönlicher Schuld, die beispielhaft an einem Vorfall im Krieg erzählt wird, bildet einen Teil der filmischen Persönlichkeit Trautmanns, der als Wehrmachtssoldat verschiedene Tapferkeits-Auszeichnungen erhalten hat. Gerade im Verbund mit den Attributen Integration und Versöhnung, mit denen sich Trautmanns Name in erster Linie verbindet, ergibt sich im Film ein spannendes und zeitgemäßes Profil der Hauptfigur.

Kostüme und Ausstattung funktionieren prächtig und leisten einen starken Beitrag zur Etablierung der authentischen Atmosphäre englischer Provinzörtchen. Die neu inszenierten Fußballszenen vor dem Hintergrund computergenerierter, übervoller Stadiontribünen überzeugen – sowohl technisch, als auch sportlich – und werden in der Montage geschickt mit dokumentarischem Material verknüpft.

Darum geht’s:

Als der junge Wehrmachtssoldat Bert Trautmann 1944 in englische Kriegsgefangenschaft gerät, glaubt er nicht daran, dass sein Leben noch viel für ihn bereithält. Doch als er auf dem Gefängnishof während eines Fußballspiels im Tor steht, entdeckt der Trainer einer lokalen Fußballmannschaft sein großes Potenzial.

Er holt ihn aus dem Gefangenenlager und nimmt ihn bei sich auf. Für den Rest der Mannschaft und auch seine Familie ist Trautmann jedoch kein neuer Freund. Er ist der Feind, der mit dafür verantwortlich war, dass so viele Menschen sterben mussten. Nur durch seine überragende Leistung im Tor, seinen Arbeitseifer und seine Freundlichkeit kann Trautmann sich nach und nach beweisen. Als der Manager von Manchester City Trautmann ein Angebot macht, ist es der Beginn einer beispiellosen Karriere …

BRD

2018

FILMREIHE Hauptfilm

REGIE Marcus H. Rosenmüller

DARSTELLER David Kross, Freya Mavor, John Henshaw, Gary Lewis, Harry Melling

AB 0 JAHRE

LÄNGE 120 MIN.

Das Kino-Programm heute und morgen in Wasserburg:

Donnerstag 14.03
15.15 UHR Ostwind – Aris Ankunft
15.30 UHR Green Book – Eine besondere Freundschaft
17.45 UHR Trautmann
18.00 UHR Wie gut ist deine Beziehung?
20.15 UHR Trautmann
20.30 UHR The Sisters Brothers
Freitag 15.03
15.15 UHR Ostwind – Aris Ankunft
15.30 UHR Wie gut ist deine Beziehung?
17.30 UHR Trautmann
17.45 UHR Green Book – Eine besondere Freundschaft
20.15 UHR Trautmann
20.30 UHR The Sisters Brothers