Tag der gewaltfreien Erziehung

Kinderschutzbund: Hohe Dunkelziffer zu körperlicher Strafe, seelischer Verletzung

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Zum Tag der gewaltfreien Erziehung am 30. April fordert der Kinderschutzbund Rosenheim, Kinder jeden Alters bei Anzeichen von Gewalt- und Missbrauchserfahrungen anzuhören und ernst zu nehmen. „Gewalt hat viele Gesichter. Kinder und Jugendliche können körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt erleiden, das fängt schon mit dem berühmten Klaps an. Auch Vernachlässigung und mangelnde Unterstützung sind eine passive Form von Gewalt“, sagt Marianne Guggenbichler, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Rosenheim.

„In all diesen Bereichen gibt es hohe Dunkelziffern. Wir müssen davon ausgehen, dass schätzungsweise jedes vierte Kind im Laufe des Heranwachsens Gewalt erlebt – in unterschiedlicher Intensität und Dauer.“

Kinder und Jugendliche haben seit dem Jahr 2000 das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. Dennoch erleben viel zu viele Kinder weiterhin verschiedene Formen von Gewalt, in der Familie, im sozialen Umfeld, in Kitas, Schulen oder anderen Einrichtungen.

Die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes weist für 2018 in 244.453 Fällen Kinder als Opfer von Gewalt aus. Seelische Gewalt kann dabei gar nicht erfasst werden, doch trifft sie Kinder mindestens genauso massiv wie körperliche. Auch die Auswirkungen elterlichen Streits auf die Kinder unterschätzen Viele: Für Kinder kann eine heftige Auseinandersetzung der Eltern äußerst bedrohlich wirken.

„Den Jugendhilfeorganisationen in Stadt und Landkreis Rosenheim ist diese Problematik sehr bewusst, haben sie doch tagtäglich mit diesen Themen zu tun. Neben typischen Jugendhilfemaßnahmen wie Sozialpädagogischen Familienhilfen, Erziehungsbeistandschaften oder Begleitetem Umgang wird in verschiedenen Arbeitskreisen gezielt daran gearbeitet, die Situation von Kindern, Jugendlichen und Familien zu verbessern. Die Vernetzung im Arbeitskreis Häusliche Gewalt oder im Arbeitskreis Hilfe für das sexuell missbrauchte Kind dient darüber hinaus der Entwicklung präventiver Ansätze“ erklärt Guggenbichler.

Dabei kommt der Wahrnehmung von Anzeichen von Gewalterfahrungen bei Kindern eine wichtige Rolle zu. Ebenso ist das Recht des Kindes auf Gehör und Meinungsäußerung bei der Teilnahme an Gerichtsverfahren von maßgeblicher Bedeutung. „Auch wenn wir hier in Rosenheim schon gut aufgestellt sind, ist jedes Kind, das Opfer von Gewalterfahrungen wird, ein Opfer zu viel“ so Guggenbichler.

Fotos: Kinderschutzbund

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