Ein starker Verein für das Herbstfest

Marktgemeinderat für finanzielle Unterstützung - Bernd Furch erläutert neues Konzept

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Das Haager Herbstfest soll künftig von einem starken Verein, der das gesamte Haager Land umfasst, getragen werden. Dieses Konzept stellte bei der gestrigen Sitzung des Marktgemeinderates Bernd Furch vor (wie bereits kurz berichtet). Der Organisator und Festwirt des Haager Herbstfestes will damit die wachsenden organisatorischen, finanziellen und bürokratischen Lasten auf mehrere Schultern verteilen. Eine dieser Schultern wird auch die Marktgemeinde sein. Einstimmig stellten sich die Räte gestern hinter Furchs Konzept. Nur zwei Räte stimmten dagegen, als es um die Finanzierung des neuen Vereins ging.

In einem über einstündigen Vortrag hatte Furch vor der eingehenden Diskussion durch den Marktgemeinderat die Entwicklung des Haager Herbstfestes in den vergangenen zehn Jahren sowie die allgemeine Entwicklung von Volksfesten dargelegt.

Für eine erfolgreiche Weiterführung des Festes seien alle Voraussetzungen gegeben: „Wir haben mit unserer 111-jährigen Geschichte ein historisch gewachsenes Fest, das in einer historisch begründeten Region stattfindet. Wir haben mittlerweile eine große Vielfalt an modernen und traditionellen Schaustellern und ein breites Angebot an Gastronomiebetrieben.” Dies alles sei eine hervorragende Ausgangsbasis. Allerdings: „Uns fehlt die nötige Größe, um wirklich erfolgreich zu sein.”

Der Schaustellerverband habe in einer Studie aufgezeigt, dass die kleineren Feste mehr und mehr von der Landkarte verschwinden. Erst ab zirka 50 Betrieben auf dem Festplatz sei Rentabilität zu erzielen. Haag habe mit 32 Betrieben in 2018 bereits einen Schritt in die richtige Richtung unternommen. „2020 können wir vielleicht sogar schon 38 Betriebe aufwarten.” Ziel sei dann mittelfristig die Zahl 50.

Der Herbstfestorganisator: „Wir hatten jetzt um die 80.000 Besucher. Das müssen wir noch um einiges steigern, nur dann schaffen wir es, dauerhaft schwarze Zahlen zu schreiben.” Dafür müsse aber das ganze Konzept umgekrempelt werden.

Auch für sich und seine Familie zog Furch gestern ein Fazit: „Wir haben in den vergangenen zehn Jahren aus unserer Tasche so viel Geld reingesteckt, dass man davon ein schönes Haus bauen könnte. Wir können und wollen den stark gestiegenen finanziellen, bürokratischen und organisatorischen Aufwand nicht mehr alleine stemmen.” Deshalb habe man die Idee mit dem Herbstfestverein entwickelt.

Furch nannte auch weitere Probleme, die er ohne die Marktgemeinde und den Verein künftig nicht lösen könne. So hätten bisher die nötigen Parkflächen gefehlt. Positive Gespräche mit der Firma Fliegl hätten hier bereits stattgefunden. „Wir sehen ein kleines Licht am Ende des Tunnels.”

Ein weiteres Problem sei die mangelhafte Befestigung des Festplatzes, was enorme Kosten beim Aufbau der Zelte nach sich ziehe. Kanal- und Wasserleitungen seien unzureichend, ein weiterer Ausbau der Energieversorgung unbedingt nötig. Und man müsse auch den ohnehin schon erfolgreichen Bustransfer noch weiter ausbauen.

Geduldig und interessiert hörten sich die Gemeinderäte und die außergewöhnlich vielen Zuhörer im Sitzungsraum Furchs Ausführungen an, der am Ende sein neues Konzept vorstellte:

„Wir gründen einen Herbstfestverein, versuchen schnellstmöglich auf 1.000 oder 2.000 Mitglieder zu kommen. In dem Verein sollten an maßgeblicher Stelle die Gemeinden des Haager Landes, die Marktgemeinde Haag, die Vertreter der Brauereien und der Wirte sitzen.” Er habe bereits an zwei Abenden mit rund 40 potenziellen Verantwortungsträgern und Helfern Vorgespräche geführt und praktisch von allen Unterstützung zugesagt bekommen.”

Für das soll der neue Verein in der Hauptsache zuständig sein: Die Organisation aller kulturellen und kirchlichen Rahmenveranstaltungen, die Festzüge und den Erntedank, das Oldtimertreffen, das Ochsenrennen, den Rosserertag, für die Veranstaltungen von Musik- und Trachtengruppen, für das Jugend- und Kinderprogramm sowie die Werbung für das gesamte Fest.

Und das haben die Mitglieder von ihrem Engagement und ihrem Mitgliedsbeitrag (36 Euro im Jahr):

 

Furch nannte zur Finanzierung auch einige Zahlen. So wird seinen Berechnungen nach eine finanzielle Belastung von rund 170.000 Euro auf den Herbstfestverein pro Jahr zukommen.

Man werde schnellstmöglich versuchen, einen Großteil davon aus den Mitgliedsbeiträgen und aus Sponsoren-Geldern zu generieren. „Das funktioniert aber sicher noch nicht im ersten Jahr. Deshalb braucht der Herbstfestverein einen Zuschuss von der Gemeinde. Die muss sich jetzt entscheiden: Will man das Herbstfest oder will man es nicht.”

Und Furch nannte dann auch konkrete Voraussetzungen für eine Fortführung des Herbstfestes:

  • Furch Veranstaltungs GmbH übernimmt die Organisation des Festes, des Festplatzes und der Festwirte und Schausteller
  • Volksfestverein wird als gemeinnützig anerkannt, da er nicht wirtschaftlich tätig
    wird, er organisiert das Rahmenprogramm
  • Grundstückbesitzer und Pächter bestreiten Festwiesenausbau
  • Förderverein kann Spenden empfangen
  • Der Markt Haag kann den Verein fördern
  • Der Markt Haag regelt die mangelhafte Parkplatzsituation

 

Natürlich führten Furchs Ausführungen zu einigem Diskussionsstoff im Marktgemeinderat, der sich aber von Anfang an einig war: Das Haager Herbstfest ist wichtig und soll erhalten werden.

Hier einige Wortbeiträge der  Marktgemeinderäte:

Peter Bauer (SPD): „Natürlich wissen wir jetzt nicht genau, was da finanziell auf uns zukommt. Wenn wir aber das Herbstfest wollen, müssen wir auch dem Zuschuss zustimmen. Nichts im Leben ist ohne Risiko. Ich würde dies aber auf drei Jahre beschränken.”

Wolfgang Obermaier (FWG): „Ich mache mir da keine Sorgen. Das Haager Herbstfest ist so beliebt, dass ich mir in einer gewissen Zeit sogar 5000 Mitglieder vorstellen kann. Unsere Zusage in Sachen Zuschuss sehe ich für einen begrenzten Zeitraum.”

Stefan Ott (Parteifreie Wählergemeinschaft): „Wenn da ein Defizit da ist bei dem Verein, muss es ohnehin die Gemeinde zahlen. Wer denn sonst?”

Rosmarie Heimann (Parteifreie Wählergemeinschaft): „Ich frage mich, ob alles immer noch größer werden muss. Warum müssen wir da Besucher aus 100 Kilometer Entfernung nach Haag herankarren. Wir sollten auch an die Leute denken, denen das Herbstfest nichts gibt.”

Hans Urban (CSU): „Wir sollten nicht nur schauen, was uns das Herbstfest kostet, sondern auch, wie viel es uns zurückgibt. Außerdem sollten wir uns mal überlegen, wie das bei Bauprojekten oft so ist. Da können wir nur abnicken, wenn die Kosten wieder explodieren. Beim Herbstfest könnten wir da aber im Folgejahr einen Riegel vorschieben.”

Konrad Lipp (WFH): „Wir sollten beim Zuschuss darauf achten, dass wir auch die anderen kulturellen Veranstaltungen noch bedenken können. Das Herbstfest darf nicht die Hälfte unseres Kultur-Budgets verschlingen.”

 

Die Räte stimmten abschließend über zwei Punkte zum Haager Herbstfest ab:

1. Der Marktgemeinderat nimmt das Konzept für die Durchführung des Haager Herbstfestes 2020 zur Kenntnis. Er beschließt, dass für die Durchführung des Herbstfestes 2020, die vom Markt Haag bisher erbrachten Hilfestellungen (Bauhof, Verwaltung) weiterhin gewährleistet werden.

Dafür stimmten alle Räte.

2. Der Gemeinderat beschließt weiter, einen Zuschuss an den Förderverein mit Nachweis der tatsächlichen Kosten zu gewähren. Der Zuschuss soll für nachgewiesene Kosten des kulturellen Programms bewilligt werden. Er ist auf drei Jahre begrenzt.

Dagegen stimmten nur Rosmarie Heimann (PWG) und Stefan Ott (PWG). 

Herbert Zeilinger und Ludwig Schletter waren von der Abstimmung ausgeschlossen, weil sie persönlich am Herbstfest beteiligt sind.

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Ein starker Verein für das Herbstfest

  1. Noch eine kleine Ergänzung: Es gab noch einen dritten, wenn auch symbolischen Beschluss, dass alle Haager Marktgemeinderäte Mitglieder des Vereins werden. Es wäre sehr schön, wenn sich auch die anderen Gemeinden des Haager Landes diesem Beispiel anschließen würden. Denn das Herbstfest ist ja nicht nur für Haag, sondern es ist für alle da…

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