Tödlicher Borna-Virus

Landkreise Rosenheim und Mühldorf jetzt Risikogebiete - Jüngster Fall aus Maitenbeth

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Der jüngste, traurige Fall stammt aus Maitenbeth im Altlandkreis: Im November ist dort ein elfjähriges Mädchen gestorben, bei dem der Borna-Virus nachgewiesen worden sei, sagen die Wissenschaftler. Weit mehr Menschen in Deutschland – als bisher bekannt – haben sich mit den sogenannten Borna-Viren infiziert. 14 Fälle aus den letzten 20 Jahren mit Todesfolge seien nun registriert. Denn der Erreger sei erst jetzt in Bayern in aufbewahrten Hirnproben verstorbener Patienten nachgewiesen worden, berichten Forscher. Sowohl der Landkreis Mühldorf, als auch der Landkreis Rosenheim gelten als Risikogebiete. Die Viren gelten als Verursacher von Hirnentzündungen …

Foto: Einziges bekanntes Reservoir des Erregers ist die Feldspitzmaus, bei der die Infektion keine schweren Symptome verursacht. Die Mäuse scheiden das Virus in Urin, Kot und Speichel aus – darüber können sich dann andere Tiere und in seltenen Fällen eben auch der Mensch anstecken. In der Regel mit Todesfolge.

Als Reaktion will das bayerische Gesundheitsministerium eine zentrale Stelle zur Erforschung der Viren einrichten. Das Projekt Borna Focal Point Bayern soll im Sommer 2020 starten, heißt es von der Regierung.

Bisher war nur klar, dass sich Nutztiere wie Pferde und Schafe mit der Borna-Krankheit anstecken und daran sterben können.

Unklar sei, wie sich die Patienten, die unabhängig von einer Organspende erkrankten (hier gab es offenbar drei Fälle), mit dem Virus infizierten, Viele hätten engen Kontakt zu Katzen gehabt – die möglicherweise eine Spitzmaus gefangen und mit nach Hause gebracht haben könnten. Das sei aber nur eine Vermutung, betonen die Forscher.

Was Betroffene eint, sei der Kontakt zu Tieren, das Leben in ländlichen Regionen und/oder eine Arbeit in der Landwirtschaft oder Aktivitäten in der freien Natur.

Wie verläuft eine Ansteckung? (Quelle Robert-Koch-Institut)

Es wird vermutet, dass Pferde und Schafe zum Beispiel beim Fressen mit der Feldspitzmaus oder ihren Ausscheidungen in Kontakt kommen. Für den Menschen sind verschiedene Übertragungswege denkbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich der Mensch ebenfalls über den Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen ansteckt.

Eventuell kann das Virus in der Umwelt länger infektiös bleiben, daher ist ein direkter Kontakt mit den Tieren für die Infektion möglicherweise nicht unbedingt erforderlich.

Mögliche Infektionswege sind die Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder der direkte Kontakt oder Biss einer Spitzmaus.

Es ist vorstellbar, dass andere Tiere eine Rolle als Bindeglied spielen (wie Hauskatzen, die Spitzmäuse jagen).

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist (außerhalb des medizinischen Kontexts als Sonderfall) sehr unwahrscheinlich.

Andere Tiere als Spitzmäuse (wie infizierte Pferde, Schafe und andere Haus- und Heimtiere) gelten ebenfalls als nicht-infektiös für Tier und Mensch.

Unter welchen Umständen besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko?

Die größte Infektionswahrscheinlichkeit besteht nach aktueller Kenntnis beim Kontakt mit Spitzmäusen oder deren Ausscheidungen.

Nach bisherigem Kenntnisstand muss man davon ausgehen, dass solche infektiösen Kontakte selten und wahrscheinlich schwer zu verhindern sind. Ein vorstellbares Infektionsrisiko besteht bei Aktivitäten im Freien, die zum Kontakt mit Spitzmäusen und/oder deren Ausscheidungen führen können, wie z.B. Gartenarbeiten.

Auch Arbeiten in Land- und Forstwirtschaft oder im Bauwesen, der Aufenthalt in und vor allem die Reinigung von Gebäu-en, in denen Spitzmäuse vorkamen, ist möglicherweise risikobehaftet. Andere Tiere als Spitzmäuse (z.B. infizierte Pferde, Schafe und andere Haus- und Heim-tiere) gelten als nicht-infektiös für Menschen.

Wie können Sie Infektionen verhindern?

Angesichts der geringen Anzahl bekannter Infektionen ist die Infektionswahrscheinlichkeit insgesamt gering.

Sie können das Risiko einer Infektion – nach aktuellem Kenntnisstand – weiter reduzieren, indem Sie den Kontakt zu Spitzmäusen und deren Ausscheidungen vermeiden und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

Spitzmäuse eignen sich nicht als Haustiere.

Lebende oder tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden.

Sollten Spitzmäuse im häuslichen oder Arbeitsumfeld identifiziert werden, gilt es, ihre Nahrungsquelle herauszufinden und zu entziehen. Spitzmäuse akzeptieren z.B. im Außenbereich angebotenes Hunde- oder Katzenfutter. Auch Komposthaufen oder andere Abfälle können durch das reiche Nahrungs-Angebot an Insekten für Spitzmäuse interessant sein.

Weitere Informationen im Internet

www.rki.de/bornavirus

www.fli.de > Tierseuchengeschehen > Bornaviren > Steckbrief Klassisches Borna Disease Virus 1 (BoDV-1

Foto: Gesundheitsamt Berlin

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