Kreuzbandriss: Was steckt dahinter?

Unser aktuelles Interview zu Ursachen, Operationen und Möglichkeiten zur Vorbeugung

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Immense Schmerzen, lange Ausfallzeiten und die weitläufige Meinung bleibender Schäden – ein Kreuzbandriss ist keine Lappalie. Ursachen, Operationsmöglichkeiten und wie man sich davor schützen kann, erläutern für die Wasserburger Stimme mit Professor Dr. Stefan Hinterwimmer, Orthopäde und FOCUS TOP-Mediziner wie auch Olympia-Physiotherapeut Hans Friedl aus Edling, zwei der anerkanntesten Spezialisten im Bereich Knieverletzungen:


Herr Professor Dr. Hinterwimmer, wie entsteht eigentlich ein Kreuzbandriss?

Kreuzbandrisse entstehen typischerweise durch eine übermäßige Verschiebung und/oder Verdrehung des Ober- und Unterschenkels gegeneinander.  Beim Sport kommt es beispielsweise zu einer Drehbewegung des Unterschenkels nach außen mit X-Bein-Stellung im Kniegelenk. Auch übermäßige Streck- oder Beugebewegungen, wie zum Beispiel beim Skifahren, können zu einer Verletzung des vorderen Kreuzbandes führen.

Und wie äußert sich ein Kreuzbandriss bei Ihren Patienten?

Die häufigsten Symptome nach einem Unfall sind Schwellung, Bewegungseinschränkung, Schmerz und häufig auch ein akuter Stabilitätsverlust.
Ein weiteres, anhaltendes Symptom ist auch eine subjektive Unsicherheit des betroffenen Knies, die einem die gewohnte Aktivität nicht mehr erlaubt. Von Seiten der Patienten heißt es dann häufig: „Ich kann mich auf das Knie nicht mehr verlassen“.

 

Herr Friedl, welche Aufgabe haben eigentlich Kreuzbänder?

Vorderes und hinteres Kreuzband sind die beiden zentralen Stabilisatoren unserer Kniegelenke. Sie sorgen für einen reibungslosen Bewegungsablauf und fungieren dabei als inneres Getriebe des Kniegelenks – zumal sie auch, wie bereits von Dr. Hinterwimmer erwähnt, das Gelenk bei extremen Beanspruchungen wie Verdrehung oder Überstreckung schützen. Kreuzbänder haben auch eine sensorische Funktion: sie sollen die jeweilige Gelenkstellung registrieren und an der dazu passenden Muskelsteuerung mitwirken.

 

Welche Sportler kommen besonders häufig mit Kreuzbandverletzungen in ihr Edlinger Therapie- und Trainingszentrum?

Sportarten mit sogenannten „Stopp-and-Go“ Bewegungen bergen ein erhöhtes Risiko. Das sind vor allem Fußball, Handball, Tennis und Squash, aber auch Hockey oder Basketball. Jetzt im Winter dominiert das Skifahren.

 

Wann erachten Sie, Herr Professor Dr. Hinterwimmer, in Ihrer Praxis „OrthoPlus“ eine Operation als sinnvoll?

Wir empfehlen eine OP, wenn eine subjektive Instabilität vorliegt, wenn ein hoher funktioneller Anspruch in Sport oder Beruf vorliegt, wenn das Aktivitätsniveau unbedingt wieder so hoch sein muss, wie vor der Verletzung, wenn die Patienten sehr jung sind, wenn eine konservative Therapie nicht zum Erfolg geführt hat oder wenn neben dem Kreuzbandriss sogenannte Begleitverletzungen vorliegen. Dies betrifft vor allem Verletzungen des Innen- oder Außenmeniskus sowie des Knorpels. Das Alter spielt dabei keine besondere Rolle. Die genannten Kriterien gelten genauso für ältere
Patienten, die in Alltag und Sport wieder gewohnt aktiv sein möchten.

 

Herr Friedl, wie wichtig ist die physiotherapeutische Nachbehandlung nach einer Operation?

Die Nachbehandlung von Operationen ist das A und O für jeden Patienten – nur damit kann ein idealer Heilungsverlauf garantiert werden. Hierzu gibt es gewisse Rehabilitationsschritte wann zum Beispiel die Krücken weggelegt oder das Joggen angefangen werden darf. Dafür ist die physiotherapeutische Behandlung ESSENZIELL! Ohne eine intensive Physiotherapie wird keiner dieser Schritte zügig und
zuverlässig möglich sein.

Gibt es Tests, die eine Rückkehr in den Alltag bzw. in den Sport beurteilen?

Sowohl für den Alltag wie auch für den Sport gibt es Trainingsinhalte und Tests. Das Training reicht von der Gangschule bis zum sportartspezifischen Koordinationstraining. Der Zustand des Knies kann dabei durch spezielle Tests, sogenannte RTC-Tests, gut eingeschätzt werden. In Abhängigkeit der Ergebnisse können dann weiterführende Trainingsinhalte empfohlen oder eine Sportfreigabe erteilt werden.

Abschließend eine Frage an den Chirurgen: Herr Professor Dr. Hinterwimmer, kann man Kreuzbandverletzungen vorbeugen?

Das von Hansi genannte sportartspezifische Koordinationstraining ist auch als vorbeugende Maßnahme erprobt und empfohlen. Ziel ist es z.B., das gefährliche X-Bein-Moment beim Springen und Landen „wegzutrainieren“. Das COROX-Trainingsprogramm aus dem Therapiezentrum Friedl zielt genau in diese Richtung: Optimierung der Muskel- und Gelenkfunktionen zur Verbesserung der Koordination und damit Vermeidung von Gefahrenmomenten.

 

Professor Dr. Stefan Hinterwimmer (OrthoPlus München) und Hans Friedl (Therapiezentrum Friedl) sind zwei der bekanntesten Experten rund um das Thema Kreuzbandverletzungen. Beide betreuen etliche Patienten, führen Fachdiskussionen und arbeiten mit großem Eifer einer stetigen Verbesserung von Operationen sowie Nachbehandlungsmethoden.

 

MP

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