„Aufs Wesentliche konzentrieren“

Pfarrer Pawel Idkowiak spricht über „Kirche Zuhause“ und die aktuellen Maßnahmen

image_pdfimage_print

Papst Franziskus stand während der Beschränkungen alleine am Petersplatz und auch Pfarrer Pawel Idkowiak feierte seine Messen ohne die Gemeinde. Die Corona-Krise brachte auch für die Kirche große Veränderungen. Gottesdienste gab es nur noch über das Fernsehen, Beerdigungen fanden im kleinen Kreis statt und auch die Erstkommunion und die Firmung müssen verschoben werden. Pfarrer Idkowiak schildert seine Eindrücke zur aktuell schwierigen Zeit.

„Wir haben Mitte März erfahren, dass es aufgrund der Gefahr keine Gottesdienste mehr geben darf“, erinnert sich Pfarrer Pawel Idkowiak. Von da an hielt er seine Messen alleine, ohne die Gemeinde. Das sei keine leichte Zeit gewesen.

 

Im ersten Schritt habe der Pfarrverband jeden Sonntag einen Impuls anstatt einer Predigt vorbereitet, die auf der Website zu finden sind. Das Ordinariat München wies die Gemeinden allerdings darauf hin, es gebe ein professionell gestaltetes Angebot aus München und Umgebung und bat, von eigenen abzusehen. Deshalb hielt sich auch Haag in diesem Punkt zurück.

 

Besonders an Ostern machte Pfarrer Idkowiak die Stimmung der Gemeinde betroffen. Es fehle etwas, wenn die Gemeinde nicht zusammenkommen kann. Zwar habe er gemeinsam mit den Mesnerinnen aus den fünf Pfarreien die Osterkerzen gesegnet, aber „die Messe ist ein Dialog.“ Und dafür brauche es die Kirchengemeinde, die nach den strengen Auflagen nicht an der Messe teilnehmen konnte. Die Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderäte blieben vorsichtig. Rosenheim als Hotspot in Sachen Corona gehöre zum Ordinariat München, deshalb waren und sind die Auflagen der Diözese München-Freising sehr restriktiv. Für die Gläubigen hieß das: „Kirche Dahoam.“ Ob über den Fernseher oder Livestreams im Internet, es gab die Möglichkeit die Messe vom Wohnzimmer aus zu feiern. Doch Idkowiak weiß: „Es ist auch ein Unterschied, ob man Fußball im Fernsehen oder im Stadion schaut.“

 

Endlich kam es zu Lockerungen: Gottesdienste im Freien waren wieder möglich (wir berichteten). Seit Pfingsten gibt es Wortgottesdienste, seit dieser Woche wird wieder die Eucharistie gefeiert. Damit sich keine Schlangen bilden, sollen die Kirchgänger zur Kommunion sitzenbleiben, denn Pfarrer Idkowiak kommt an die markierten Plätze. Am Platz selbst ist kein Mund-Nasen-Schutz notwendig, aber beim Betreten der Kirche muss er getragen werden. Auch das Singen sei problematisch, so Pfarrer Idkowiak. Aufgrund der aktuellen Lage lautet die Anweisung: Entweder dezent oder gar nicht. Auch gebe es keine Gotteslobe, sondern „Frau Klein bereitet Liederzettel vor.“

 

Langsam kehrt wieder Normalität in den Ausnahmezustand. Dennoch wolle man „behutsam, langsam und vorsichtig“ bleiben. Trotzdem solle man sich auch nicht von der Angst leiten lassen, so Pfarrer Idkowiak, denn „Angst ist etwas, das uns in die Enge führt und lähmt“. Die schwierige Phase sei für alle Seiten keine leichte Erfahrung, da ist er sich sicher. Dennoch habe man die Möglichkeit gehabt, darüber nachzudenken, was im Leben zählt und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auch das Christentum bedeute Hoffnung, betont er. „Gott lässt etwas zu, aber er macht es nicht absichtlich. Wenn etwas passiert, nehme ich es an und mache das Beste daraus im Vertrauen auf Gott.“

 

Die Corona-Zeit habe er genutzt, um das Pfarrarchiv zu sortieren und strukturieren. Auch Besuche mit Maske und Abstand seien möglich gewesen, wenn Menschen krank waren oder ein Gespräch gesucht haben. Und es gab regelmäßig Gottesdienste im Bürgerheim St. Kunigund, die die Bewohner live auf das Zimmer übertragen bekamen. Pfarrer Idkowiak glaubt, die Krise könne spirituell auch eine positive Wirkung haben. Denn in der Zeit könne man sich bestärkt auf das besinnen, was einem wirklich gefehlt habe und was besonders wichtig ist. Und der Glaube gebe zusätzlichen Halt, denn: „Ich kann nicht tiefer fallen als in die Hände Gottes.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren