Was ist Heimat?

Jugendfilm „Zu weit weg" zeigt im Jugendzentrum Haag den individuellen Umgang mit dem Thema

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Es kommen „nostalgische Gefühle“ auf, wenn im alten Kino wieder eine Leinwand aufgebaut ist. Im Rahmen der Biennale Bavaria International wurde das Jugendzentrum wieder zu einem Kinosaal. Thematisch zu den Räumlichkeiten passend wurde der zu Tränen rührende und mehrfach ausgezeichnete Jugendfilm „Zu weit weg“ von Sarah Winkenstette vorgeführt und auch die anschließende Diskussion blieb nah am Thema Jugendliche.

Foto: Die Organisatoren der Veranstaltung (vorne von links) Rainer Gottwald, Betreiber des Kinos Utopia in Wasserburg, Bürgermeisterin und stellvertretende Vorsitzende Sissi Schätz, Vorsitzender Günther Knoblauch, Teamassistenz Jessica Ruzicka sowie (hinten von links) stellvertretende Vorsitzende Barbara Weis, Teamassistenz Elke Grave und Gemeindemitarbeiterin Gabriele Friedl.

 

„Hier haben sich früher viele kennengelernt“, erinnerte sich Bürgermeisterin Sissi Schätz. Das alte Kino sei auch jetzt durch das Jugendzentrum wieder ein Ort des Treffens und Kennenlernens. Dass hier im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Filmfestival im kommenden Jahr ein Jugendfilm gezeigt wird, sei thematisch passend. Es geht um das „Miteinander“, wie Günther Knoblauch, Vorsitzender des Vereins Internationales Festival des Neuen Heimatfilms, betonte. Darum, „die Heimat zu gestalten“, sich einzubringen und als Gemeinschaft etwas zu erreichen.

 

Als Überraschungsgäste zeigten die Tänzer von „movetoohot” aus Burghausen ihr Können.

 

„Neuer Heimatfilm unterwegs“ ist das Thema und der Begriff Heimat sei auch in Zeiten von Corona immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, so Kurator Joachim Kurz, denn „wir sind wieder auf uns selbst zurückgeworfen.“ Heimat sei außerdem gerade für Kinder und Jugendliche ein besonderes Thema, denn sie prägt die Frage: „Wo sind meine Wurzeln?“

 

Im gezeigten Jugendfilm „Zu weit weg“ von Regisseurin Sarah Winkestette wird deutlich, dass Heimat individuell ist und für jeden etwas anderes bedeutet – und jeder sie auf unterschiedliche Weise verlieren und neu wiederfinden kann. Ein Thema, das die Regisseurin besonders am Herzen liegt. Sie selbst sei sehr heimatverbunden und beschäftigte sich vor allem mit der Frage: „Was geht in den Kindern vor?“ Denn die Jungen Ben, der sein Heimatdorf wegen dem Braunkohletagebau verlassen muss, und Tariq, ein Flüchtling aus Syrien, verlieren beide auf unterschiedliche Weise ihre Heimat und müssen neu zurechtkommen.

 

Im Anschluss an den Film fand ein Austausch mit Peter Syr über den Begriff „Heimat“ statt. „Meinen ersten Kinofilm habe ich hier im alten Kino Haag geschaut“, erinnerte er sich zurück. Seitdem hat er in München, Berlin und lange Zeit auch in Schweden gewohnt, bevor er inzwischen wieder nach Haag zurückgekehrt ist. Er habe mehrere Heimaten, sagte er, aber „Heimat hat für mich auch viel mit Freundschaften zu tun.“ Für jeden bedeute der Begriff aber etwas anderes, deshalb riefen die Veranstalter die Anwesenden dazu auf, ihn für sich selbst zu definieren. Dafür lagen Plakate und Stifte bereit.

 

 

Im Gespräch kam die Frage auf, ob sich in Haag ein Jugendbeirat verwirklichen ließe, der mitgestalten und etwas bewegen kann und auch das Thema Integration, das im Film eine große Rolle spielt, wurde aufgegriffen. Syr stellte die kritische Frage, ob es wirklich so leicht sei – ob als Flüchtender oder neuer Mitschüler – ohne Mobbing in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Außerdem stellte er zur Diskussion, ob Heimat etwas Statisches sein muss. „Heimat verändert sich“, betonte er und auch den Anwesenden sei Veränderung wichtig. Man solle nicht stehenbleiben, sagte Vorsitzender von Haag aktiv Thomas Sax und auch Dritter Bürgermeister Florian Haas war der Meinung: „Wir können den Wandel nicht aufhalten, unsere Aufgabe ist es, alle mitzunehmen.“ Dafür sei es besonders wichtig, allen – vor allem Jugendlichen – die Möglichkeit zu geben, selbst zu gestalten und ein Teil der Gemeinschaft zu sein, wie Gemeinderätin Eva Rehbein betonte, „denn dann ist es Heimat.“

 

 

 

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