FFP2-Masken werden verteilt

Trotz kurzer Vorlaufzeit sind die Apotheken gut gerüstet – Drive-in-System in Haag und Gars

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Überrumpelt gefühlt haben sich die Apotheker in der Region vom Aufruf des Bundesgesundheitsministeriums, wonach Risikopatienten und Ältere gratis von den Apotheken mit wirksamen FFP2-Masken auszustatten sind. Erst aus der Presse habe man davon erfahren, heißt es in Wasserburg und Haag. Dennoch konnten in einem Kraftakt genügend Masken geordert werden, so dass jeder, der Anspruch hat, versorgt werden kann. Das wird allerdings frühestens morgen oder im Lauf der Woche geschehen, denn die Anordnung ist noch nicht rechtlich gesichert. 

„Wir haben es von Kunden erfahren, die das irgendwo gelesen haben”, sagt Tobias Schlosser, Inhaber der St. Jakobs Apotheke in Wasserburg, „dass wir mit der Verteilung betraut werden.“ Sofort habe man bei einem Produzenten in Österreich 5.000 zertifizierte Masken bestellt, die zur Stunde auf dem Weg sind. 1.000 Stück liegen schon bereit, der Rest kann mühelos in den Lagerräumen aufbewahrt werden. Schlosser: „Wir können sofort loslegen.“ Bis zum 31. Dezember sollen drei Masken pro Kunde abgegeben werden. „Das schaffen wir“, sagt der Apotheken-Chef zuversichtlich.

Berechtigt sind einmal Personen über 60 Jahre. Dafür genügt ein amtliches Dokument wie etwa der Personalausweis, aus dem das Alter hervorgeht.

Die Gruppe der unter 60-Jährigen, die einer Risikogruppe, angehören, müssen im Verkaufsraum einen Vordruck ausfüllen, um überprüfen zu können, ob sie unter Vorerkrankungen leiden oder sonst einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt sind. „Da stehen wir auch hilfsbereit zur Seite“, betont Tobias Schlosser.

Überdies könne man aufgrund eines Arztbriefes oder von Rezepten kontrollieren, ob eine Berechtigung vorliegt. Der Kunde muss außerdem angeben, ob er schon anderweitig Masken erhalten hat. „Da setzen wir auch auf Ehrlichkeit und Solidarität“, sagt Schlosser.

Im nächsten Jahr werden pro Patient nochmal insgesamt zwölf FFP2-Masken verteilt – vermutlich aber dann gegen einen Berechtigungsschein der Krankenkasse. Auch dann ist Schlosser optimistisch, die Ausgabe stemmen zu können – schließlich werden die Masken über alle drei Apotheken in Wasserburg verteilt. „Man hätte die ganze Aktion allerdings schon früher auf den Weg bringen können“, moniert Schlosser, „es war ja schon absehbar, dass die Infektionen zunehmen werden.“

Etwas überrascht von der Aufforderung des Gesundheitsministeriums, die Masken bereit zu halten, fühlte sich auch Christina Mayerhofer, Inhaberin der Grafschaft-Apotheke in Haag. „Ich habe das am vergangenen Mittwoch aus der Zeitung erfahren”, so die Apothekerin. Sie habe sich abends noch gleich „dahinter geklemmt“ und Hersteller angeschrieben. Um ein Uhr nachts erhielt sie eine Rückmeldung eines zertifizierten Produzenten aus Riedering, mit dem sie tags drauf eine Lieferung vereinbarte.

„Das war nicht einfach“, sagt die Apothekerin, „schließlich sucht ganz Deutschland nach Masken.“ Rund 6.000 Patienten gilt es, in Haag, Gars und Umland im Dezember zu versorgen, die zweite und dritte Charge für Januar, Februar und März wird wohl über Wertgutscheine der Krankenkassen zu erhalten sein. „Jeder Bezugsberechtigte hat Anspruch auf 15 Masken“, so die Apotheken-Chefin.

So kam es, dass am Donnerstagabend vergangener Woche 18.000 Masken geliefert wurden, wovon drei pro Kunde für den Dezember gedacht sind. Das ganze Team habe Tag und Nacht  gearbeitet, um das zu verstauen, „was man uns da aufgebrummt hat.“ So mussten beispielsweise die Masken in Dreier- und Sechserpacks umsortiert werden. Mit einen hohen fünfstelligen Betrag ist sie in Vorleistung gegangen, der aber im Januar erstattet werde.

Um für den Ansturm gewappnet zu sein, hat Christina Mayerhofer ein Drive-in-Konzept für Haag und Gars entwickelt (Verkehrswege sind ausgeschildert).

So kann die Ü-60-Gruppe bequem über das Autofenster die Masken erhalten – durch Vorlage eines amtlichen Dokumentes oder weil sie persönlich bekannt sind. „Das ist der Löwenanteil“, sagt die Apothekerin.

Die unter 60-Jährigen, die einer Risikogruppe angehören, müssen auch hier ihre Berechtigung oder aufgrund früherer Rezepte nachweisen – es sei denn, sie sind ebenso bekannt. Diese Patienten werden direkt in der Apotheke bedient. Dabei ist ein ausgefüllter Dokumentationsbogen mitzubringen – eine Eigenerklärung, die den Anspruch auf den Bezug von FFP2-Masken bezeugt. Dieser ist möglichst zu Hause auszudrucken, auszufüllen und zu unterschreiben, damit vor Ort die Verteilung rasch klappt. Darin ist auch zu bestätigen, dass die Masken nicht schon zu einem anderen Zeitpunkt oder woanders bezogen wurden.

Ebenso wie in Wasserburg setzt auch Christina Mayerhofer darauf, dass die Patienten ehrlich bei ihren Angaben sind und sich solidarisch zeigen. „Wir möchten unbedingt ein Hopping von Apotheke zu Apotheke vermeiden“, betont sie. Die Verteilung in Haag und Gars beginne  aller Wahrscheinlichkeit nach am morgigen Dienstag. Sämtliche Informationen rund um die Masken finden sich unter www.regioapo.de. Auf der Webseite findet sich auch der Dokumentationsbogen, außerdem werden die wichtigsten Fragen um die Ausgabe beantwortet, die Anfahrtswege für Drive-in und wer dafür berechtigt ist.

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